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Phuket hat in den Reiseforen einen schlechten Ruf als teure Partyzone, in der wenig Ursprüngliches zu finden sei. Deshalb plane ich erstmal nur eine Nacht dort ein. Doch schon bei der Ankunft fühle ich mich wohl auf der Insel. Die Taxifahrerin bringt mich vom Flughafen in die Altstadt ganz im Süden und obwohl der Verkehr irrsinnig ist, der Himmel bewölkt und die Bretterbuden am Rande der Hauptstraße armselig wirken, finde ich alles wunderbar. Das 99 Oldtown Guesthaus liegt in der Altstadt, eingeklemmt, inmitten einer bunten Häuserzeile, zwischen Lädchen, Cafés und kleine Restaurants. Ich werde überaus freundlich willkommen geheißen, alles ist sehr geschmackvoll eingerichtet. Mein Zimmer bietet alles, was ich brauche: Matratze, warme Dusche, Handtücher, es gibt sogar eine Klimaanlage sowie Handtücher, Duschgel und Shampoo. Für wenig Geld bekomme ich hier wirklich viel, finde ich. In der Altstadt ist überraschend wenig los. Alles ist sehr entspannt. Die Läden sind zur Straße hin alle offen, es gibt wenig Ramsch zu kaufen, ein Laden verkauft eigene Fotos als Postkarten, die Cafés und Restaurants geben sich Mühe, individuellen Charme zu bieten. Keine aufdringliche Musik, keine Party, rote Lampions leuchten süß in den Abend hinein, einige westliche Touristen im Schlendermodus, Chinesinnen posieren vor goldverzierten Türen. Schreckliche Insel-Partymeilen sind wohl immer da, wo auch lange, weiße, schöne Sandstrände sind. Die Altstadt liegt nicht direkt am Meer.

Das Taxi für den nächsten Tag ist schnell über das Guesthouse gebucht und am nächsten Tag geht es mit dem Speedboat nach Koh Lanta. Am Hafen lerne ich Katja kennen, das Speedboat-Abenteuer erleben wir zusammen. Die See ist rau, der Bug schnellt hoch und klatscht in heftigen Stößen wieder auf. Alle halten sich fest, um sitzen zu bleiben. Katja und ich haben richtig Spaß, die Gischt spritzt von vorne auf die vielen Koffer und Rucksäcke. Eine französische Familie ist an Board, Mama und Papa mit Sorgenfalten zwischen den Augen, der Dreijährige schreit die ganze Zeit vor Angst. Hinten wird eine Kotztüte gereicht, zwischendurch fällt der Motor aus, röchelt wie mein Passat im Winter – kein gutes Zeichen – er springt nicht mehr an und das Boot schaukelt wie eine verlorene Nussschale in den Wellen. Ich habe Zeit, mir den Steuermann genauer anzuschauen. Er sieht aus wie zwölf, ein Steuerjunge also, der Rest der Crew vielleicht ein Jahr älter, einer taucht seinen Kopf ins Wasser, holt einen Kamm aus der Hosentasche und macht sich erstmal eine neue Frisur. Gute Idee in dieser Situation. Spezialwerkzeug wird dann gereicht – ein Hammer. Okay, sage ich mir, ich bin hier einer Kleine-Jungs-Gang ausgeliefert. Ich werde von den Vorstadtkrokodilen in einer Nussschale über den Ozean gesteuert. Erstaunlicherweise bekommen die Jungs den Motor dann doch irgendwie wieder hin und zwei Stunden später legen wir tatsächlich in Koh Lanta an. Das reicht mir dann auch mit der Speedboat-Tour, Katja ist nicht glücklich, dass sie nochmal zwei Stunden fahren muss. Sie will zum Tauchen nach Koh Lipe.

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