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Ich sitze im Korbsessel vor meiner Bambushütte. Blicke auf Palmen, einen kleinen, weißen Sandstrand und das Meer. Monkey-Island. Das ist eine winziges Insel, eine von Tausenden in und um Halong Bay. Endlich komme ich zur Ruhe. Die letzten Tage habe ich mir ganz schön vollgeballert. Immer wieder breche ich mein eigenes Vorhaben, nur so viel zu unternehmen, dass ich noch in der Lage bin, alles in Ruhe sacken zu lassen und aufzuschreiben.

Noch am Abend meiner Ankunft in Hanoi begebe ich mich auf Street-Food-Tour. Eine junge Vietnamesin, die sich Rose nennt, führt mich zusammen mit einem indischen Pärchen, einem Neuseeländer und einer Thailänderin durch die Altstadt. Sechs Stationen, sechs Gänge. Das Ganze dauert drei Stunden. Erster Gang: Bun Cha. Jeder bekommt eine Schüssel und füllt sie nach Geschmack mit Chillisauce und Knoblauch, eine halbe Limetten reinquetschen und mit heißer Suppe auffüllen. Zwei volle Teller mit frischen Kräutern stehen auf dem Tisch. Es riecht und schmeckt wie Thai-Basilikum, jeder zupft sich seine Portion in die Suppe. Dazu gibt es gebratene Hackfleischplätzchen, man taucht sie in die Suppe ein. Köstlichst!! Wir schlängeln uns weiter durch die engen Gassen der Altstadt. Quetschen uns hintereinander durch parkende Motorroller, umrunden die Körbe der Verkaufsstände, weichen Fußgängern aus. Tausende hupende Motorroller. Es gibt hier nur eine Regel, wie du über die Straße kommst. Nicht warten! Man erzählt sich die Geschichte von dem alten Mann, der morgens in Hanoi aus dem Hotel ging, um für seine Frau Medizin auf der gegenüber liegenden Straßenseite zu kaufen. Bis abends hat er an der Apotheke gewartet. Dann hat er sich ein Taxi gerufen, das fuhr einmal um den Block und ließ ihn am Hotel wieder raus. Wem das zu umständlich ist, der hält Ausschau nach Einheimischen und heftet sich eng an dessen Fersen. Wir gehen deshalb dicht hinter Rose her und gelangen sicher zur nächsten Straßenküche. Ein völlig runtergerocktes Hinterhaus, niemals wäre ich von alleine auf die Idee gekommen, hier essen zu gehen. Man sieht den Laden von außen nichtmal. Ein paar Hocker und Klapptische, die Teller der Vorgänger werden laut klappernd weggeräumt, Neonlicht, Linoleumboden, der Tisch wird lässig abgewischt und dann kommen die leckersten Frühlingsrollen aller Zeiten auf den Tisch! Nem Cua Be heißen die hier. Verschiedene Sorten: Mit Gemüse, Garnelen, Hackfleisch. Unglaublich lecker. Und immer werden einfach ein paar Teller für alle auf den Tisch gegessen, jeder isst von jedem. Klasse! Den nächsten Gang holen wir von einem kleinen Wagen ab, der auf dem Bürgersteig Sandwichs verkauft. Wie viele Häuser hier ist auch das Baguette ein Überbleibsel aus der französischen Kolonialzeit. Aber nur das Baguette schmeckt europäisch. Was genau da drin ist, kann ich kaum sagen. Ich weiß nur, dass ich Derartiges noch nie gegessen habe. Pausenbrot auf Vietnamesisch. Auch extrem lecker. Danach gibt noch eine klassische Reisnudelsuppe. Ich bin die einzige, die noch aufisst, und dann geht´s zum Dessert in eine Seitengasse. Wieder sitzen wir auf winzigen Plastikhöckerchen, meine Knie gehen mir fast bis zu den Ohren. Es gibt Früchte mit Kokosmilch und gefrorenem Wasser. Es soll auch Durian druntergemischt sein, die stachelige Frucht, die ich nur als Stinkefrucht kenne. In Indonesien habe ich in Hotels Verbotsschilder gesehen: Durian rot durchgestrichen. Das Zeug soll angeblich die Butze vollstinken wie wochenalter Blauschimmelkäse. Ob mit oder ohne Durian, dies ist der beste Obst-Eis-Salat aller Zeiten.

Kaffee ist in Vietnam Tradition, genauso wie Bier, deshalb haben wir am Ende die Wahl. Alle nehmen Kaffee. Ich bin überrascht, wie der serviert wird: ein heißes Glas im Wasserbad. Unten eine weiße Schicht, darüber der Kaffee. Rose sagt, wir sollen die weiße Schicht unten ganz schnell mit dem Löffel schlagen. Der Inder macht das besonders gut und kriegt einen tollen Schaum hin. Rose lobt ihn und ich schlage ehrgeizig weiter, um auch so ein tolles Ergebnis zu erzielen. Es klappt, der Kaffee wird getrunken. Leider bin ich nicht Patrick Süßkind und kann Geschmäcker so wie er Gerüche beschreiben. Ich habe so etwas noch nie getrunken. Es ist eine Gaumen- und Zungenfreude ohnegleichen. Etwas süß, viel Mokka, dann dieser warme Geruch, etwas Vanille vielleicht und natürlich kommt die kräftige Kaffeebohne auch bitter durch. Als ich ausgetrunken habe, erfahre ich, was das war: Egg-Coffee! Kaffee mit Ei. Ich hätte es nicht getrunken, hätte ich es vorher gewusst. Die Bar gegenüber meines Hostels bietet einen Coctail an, der einen Zuckerrand mit kandierten Ameisen hat. Dort gibt es auch Heuschrecken zu essen. Mal sehen, wie mutig ich hier noch werde

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