Was mir am Tag nach meiner Pleite mit der Sunset-Tour passiert ist, fällt in die Sparte Kalendersprüche und Märchen: Auf Regen folgt auch wieder Sonne. Alles fügt sich am Ende zum Besten. Nach meinem Gespräch mit dem Frosch schlafe ich eine Nacht und am nächsten Morgen begegnet mir eine Fee. Das ist jetzt keine Geschichte. Es ist die Wahrheit!

Nach gestern habe ich gar keine Erwartungen mehr an meine heutige Jeep-Tour. Gelangweilt latsche ich zum Treffpunkt. Ich bin zu spät und flöte eine Entschuldigung in die Luft, hoffe natürlich, bei meinen heutigen Mitfahrern nicht gleich von Anfang an unten durch zu sein. Ich habe keine Mitfahrer heute. Es ist eine Mitfahrerin. Entspannt sitzt sie auf der Bank. Wir merken sofort, dass wir beide aus Deutschland sind und unser erstes Gespräch geht um den Prozess der körperlichen Verwahrlosung auf Reisen. Sie sagt das anders:

„Und meine Fingernägel! Ganz schlimm! Der Nagellack, die ganze Farbe vorne ist runter!“ Sie rollt mit den Augen.

„Ich sehe aus, als hätt´ ich meine Omma ausgegraben!“

Ich brülle vor Lachen. Bestimmt wundert sie sich über meinen Ausbruch, kann ja nicht wissen, dass ich gesprächs- und humormäßig ziemlich auf dem Trockenen saß die Tage.

Dann kommt Tom dazu, unser Guide, er fühlt sich vernachlässigt und fragt, ob wir über ihn lästern. Nein, nein, so sei das nicht. Wir hätten nur beide länger kein Deutsch gesprochen und kosten das jetzt aus. Wir steigen ein. Das Fahrzeug ist aus dem Krieg, sagt Tom. Es ist ein GI-Fahrzeug. Das Auto ist schon fünfzig, also älter als ich. Das ist doch super: Alles spricht heute für meine Jugend. Und für eine wirklich aufregende Tour.

Erstmal fahren wir dahin, wo der Pfeffer wächst. Tom zeigt uns eine kleine Farm. Wir dürfen Pfefferfrüchte pflücken und probieren. Danach geht es an eine langen, weißen, einsamen Strand. Nur Meer, Sand dahinter Palmen und Wald, kein Haus, keine Bar, kein Restaurant. Das Wasser ist spiegelglatt und der Himmel hat sein schönstes Blau drübergehängt. Tom kann gar nicht so schnell gucken, wie wir in unseren Bikinis sind und ins Wasser rennen. Er wirft jedem eine Dose Bier hinterher. Wir spielen toter Mann, lachen, saufen, staunen und erzählen aus dem Leben. Ein Moment für das Einweckglas. Bitte einkochen, luftdicht verschließen, in den Keller stellen und im grauen Winter rausholen!

Tom möchte uns jetzt die Stelle zeigen, von der aus man Kambodscha sehen kann und bringt uns hin. Er holt jedem eine Kokosnuss. Wir sitzen auf unseren Plastikhockern, Strohhalm im Mund. Man könnte wohl rüberschwimmen zum Nachbarland. Wir erzählen ein bisschen aus dem Leben. Dann geht´s weiter in den Dschungel. Ein großer Teil der Insel ist Nationalpark. Tom jagt den Jeep durch Pfützen und über Steine. Juchzen. Wir gehen ein kleines Stück hinein in den Dschungel, meine Mitfahrerin klettert an einer Liane ein Stückchen am Banyanbaum hoch – sie hat Crossfit-Erfahrung und viel Lust, das jetzt zu machen. Ich fotografiere. Wir erzählen ein bisschen aus dem Leben. Eine Schlange kreuzt unseren Weg und bäumt sich vor uns auf. Ich finde, jetzt ist Zeit umzukehren. Den Weg aus dem Dschungel heraus lässt Tom mich ans Steuer. Ich nehme jede Pfütze mit. Towanda! „Honk, honk!“, ruft Tom und ich hupe, was das Zeug hält. Den dritten Gang bekomme ich nicht rein. Egal, der zweite tut´s auch, denke ich noch, als plötzlich Funken aus meinem Fuß schlagen. Kleine Knallfrösche am Kupplungspedal. Tom reagiert gar nicht, also denke ich, das ist wohl normal. Son altes Auto hat eben mal nen Kurzschluss, kommt ja auch bei Menschen vor. Aber meine Mitfahrerin hinten ist ruhig geworden – ungewöhnlich ruhig. Ich schaue durch den Spiegel auf die Rückbank. Tom sagt, wir müssen mal halten. Er fummelt irgendwas rum und fährt wieder selbst.

Mittagessen gibt´s im Fischerdorf. In den Baracken liegen die Leute in Hängematten, knien auf dem Boden, sitzen zwischen Fischernetzen auf Decken und verrichten irgendwie ihr Tagwerk. Ein Zehn-Kilo-Fisch wurde gerade gefangen und zappelt mächtig am Haken, der Angler hat Mühe ihn zu halten. Die Beute wird fotografiert und gefeiert, dann gibt´s einen Schlag mit dem Stock und der Fisch bewegt sich nicht mehr. Neben dem Steg werden Fischschwärme gefangen gehalten, sie schwimmen immer im Kreis, in einem Becken sind Babyhaie. Vegetarisch Leben wär vielleicht nicht schlecht. Aber hier steht natürlich Seafood satt auf dem Menü. Wenn das nur nicht so verdammt lecker wäre…

Es gibt noch ein oder zwei Stationen, meine Mitfahrerin ist total scharf auf den Wasserfall, der am Ende auf dem Programm steht. Vorher könnten wir noch eine Bienenfarm besichtigen, Tom scheint nicht so sicher, ob wir das noch machen sollten. Es hat sich ein bisschen zugezogen, könnte bald regnen.

To bee or not to bee, das ist hier die Frage.

Tom entscheidet, dass wir noch dahin fahren. Wir stoßen zu einer Gruppe Russen, denen die Bienenfarm gezeigt wird – wir glauben jedenfalls, dass es so ist. Eigentlich erzählt ein junger, schmächtiger Mann die ganze Zeit in unverständlichem Sing-Sang irgendwas, es soll wohl Englisch sein. Er schlenkert dabei seine Arme durch die Luft und öffnet seinen Mund für jede Silbe ganz weit, gibt sich echt Mühe, aber ich verstehe immer nur Yoga und Thaimassage.

„Der die ganze Zeit mit Schwul-Sein beschäftigt“, sagt meine Mitfahrerin, ich lache und sie geht erstmal eine rauchen. Sie wartet auf den Wasserfall.

Ja, jetzt will ich auch unbedingt dahin, es heißt, man kann da auch baden. Wir haben Glück und der Regen hört schnell wieder auf. Als wir den Wasserfall erreichen, sind wir fast alleine dort, die Sonne geht bald unter. Meine Mitfahrerin ist wieder so schnell im Wasser! Ich beeile mich hinterherzukommen. Wie herrlich dieses Wasser ist! So weich und frisch und gar nicht kalt. Wir halten die Köpfe unter den Strahl. Sitzen auf einem Stein und erzählen ein bisschen aus dem Leben. Liebe Zeit, bleib´ doch bitte mal stehen. Ganz kurz nur, ja?! Heute brauche ich mehr als ein Einweckglas! Wir trocknen uns ab, huldigen den Tag. Erfrischt und beseelt fahren wir zurück.

„Jetzt brauch ich unbedingt mal Creme, mein Gesicht spannt voll“, sagt meine Mitfahrerin.

„Meine Haut ist echt zwei Nummern zu klein gerade!“ Ich lache.

Als ich aus dem Auto steige, zögere ich einen Moment. Also, ich weiß ja schon so viel von Dir und Deinem Leben. Ich heiße übrigens Katrin! Und du? „Ach, ja wie nachlässig von mir, ich habe mich gar nicht vorgestellt“, sagt sie.

„Ich bin Fee!“

Danke, liebe Fee! Du hast mir meinen Wunsch erfüllt! Du hast mich zum Lachen gebracht! Danke für diesen Tag!

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