Ziel unserer Tour mit den Motorrollern sind die Wasserfälle im Nationalpark. Alles ist recht leicht zu finden, es gibt nicht viele Straßen und nur wenig Verkehr. An einer Elefantenstation müssen wir auf eine Schotterpiste abbiegen, Angi fährt mutig vor und brettert steinige Staubhügel einfach so hoch, ich einfach hinterher. Die Piste endet bei einer kleinen Bretterbude, daneben stehen schon ein paar Roller, ein Holzschild zeigt mit per Hand aufgemalter Farbe „Waterfall“ an. Zwei Frauen verkaufen Smoothies und passen für 20 Baht auf unsere Roller auf, die Helme können wir also da lassen. Praktisch. Irgendwo steht auch, man befinde sich inmitten einer „ecological zone“, oder so. Das ist schon bemerkenswert, denn überall liegt Plastikmüll, leere PET-Flaschen vor allem sowie Tüten, Verpackungen und anderer rostiger Unrat. Wir lassen uns davon nicht abschrecken und starten die kleine Wanderung. Der Weg führt immer am Bach entlang, immer wieder müssen wir über´s Wasser hüpfen, Steine suchen, um keine nassen Füße zu bekommen oder Schuhe ausziehen. Es ist nicht viel los, ab und zu begegnet uns jemand. Die Dschungellandschaft ist faszinierend. Dicke Luftwurzeln schlängeln sich um Baumstämme, kordeln sich ein, sehen aus wie geflochtene Mädchenzöpfe, eine Wurzel ist wie ein Springseil über den Weg gewachsen, um sich auf der anderen Seite mit einer anderen Wurzeln zu verbandeln. Irre. Wir kommen an eine Höhle. Dort hat sich eine Wurzel ihren Weg von oben durch den Steinfelsen gebahnt und hat auf der Erde Fuß gefasst. Sieht aus wie eine Notfallstange bei der Feuerwehr.

Wasserfälle gehören ja touristisch gesehen in die selbe Schublade wie Palmenstrand und Sonnenuntergang: Sehnsuchtsort, du musst dahin, Foto machen und zu Hause an die Wand hängen und beim Draufschauen laut aufseufzen. Ich nehme mir vor, erstmal kein Foto zu machen und den Moment zu genießen, wo sich der Wasserfall vor meinem Auge zeigt in voller Schönheit. Oft sind Wasserfälle ja im Wald und die Sonne scheint gar nicht drauf, das erwartete Blau ist eher grün, Moosfarbe dominiert das Bild, es ist urig und schön und vor allem kann ich sofort die Sachen ausziehen, baden und meine Kopf unter das Getose halten. Danach gibt´s doch noch ein Selfie, es sind außer uns nur noch ein Pärchen und eine französische Familie mit einem Eineinhalbjährigen dort. Die Frau des Pärchens ist schwanger und lässt sich von ihrem Freund oder Mann vor dem Wasserfall in allen Posen ablichten.

Der Weg zurück ist ein anderer als der Hinweg, wir verlieren uns etwas im Wasser, das ist abenteuerlich, aber nicht gefährlich. Wir entdecken im Dickicht einen Waran. Die Zikaden oder Grillen, oder was auch immer das ist, machen irrsinnig laute Geräusche. Das klingt wie Tinnitus, Bohren beim Zahnarzt und Feueralarm zugleich. Es ist ein Irrsinn, dass so kleine Lebewesen so laute Geräusche von sich geben können. Am Abend haben wir unserer Sweet life Community viel zu erzählen, wir hören die Abenteuer der anderen. Natalie plant, tauchen zu gehen, die Sehnsucht nach Wasserfall ist gestillt, jetzt macht sich die Sehnsucht nach der Unterwasserwelt bei mir breit. Aber morgen ist erstmal was anderes Tolles geplant: Eine Kajaktour mit Piknik und Höhlenwanderung.

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